Wenn das Interieur stimmt und der Apfelwein gut ist, wenn die Kellner freundlich sind, ohne Schlappmaul-Attitüde, und in der Küche Leute stehen, die beim Kochen einen gewissen Ehrgeiz haben – dann geht man gern zum Ebbelwei. Auch in Neu-Isenburg tut man das, am Marktplatz. Dort steht der »grüne Baum« und gegenüber der dunkelgrün gestrichene »Apfelwein-Föhl« mit seinem leuchtend roten Sommer-Mobiliar. Garten-Punkte macht das Lokal mit seinem Innenhof, der so klein ist, dass man ihn noch als lauschig bezeichnen kann - und einen ordentlichen Lärmpegel vertragen muss – aber so groß, dass man zwar eng sitzt, doch nicht nach Luft schnappen muss. Unter der Pergola und den Schirmen - bei Bedarf werden Heizstrahler aufgestellt – beginnt die Freiluft-Saison früh und endet spät im Jahr. Die Traditionskneipe hat seit 1997 Pächter, die bei ihrem Antritt einiges verändert hatten, was zuvor zum Föhl zu gehören schien wie der Deckel zum gerippten Glas. Die Einrichtung haben sie behutsam und geschmackvoll entstaubt und vor allem an der Küche vieles geändert. Und zwar zum Guten. Heute gibt es die Ebbelwei- und Frankfurt-Klassiker von Handkäs´ bis Haspel, aber interessanter sind die Tagesempfehlungen, immer mit einer Suppe, denen man im Grunde blindlings folgen kann. Spitzenware sind die ganz flachen, dünnen Schweine-Schnitzel »Wiener Art« mit Salat und dünnen – außen knusprigen innen weichen – Bratkartoffeln. Pommes gibt es nicht, und das soll bitte auch so bleiben. Aus: Genießen unter freiem Himmel. Frankfurt Süden. Barbara Goerlich (FR) Jaqueline Vogt (F.A.Z.). B3 Verlag 2005, Frankfurt « zurück